Diabetes-Typ
1: Neue Therapieverfahren und innovative Medikamente verbessern
die Erfolgschancen von Inselzelltransplantationen
Die
Mehrzahl der meist jugendlichen Zuckerkranken (Typ-1- Diabetiker ) ist auf eine lebenslange Zufuhr von Insulin in Form
täglicher Injektionen angewiesen.
Aus dieser extrem belastenden Tatsache ergibt sich zwangsläufig
der Wunsch dieser Patienten , diese Abhängigkeit so schnell wie
möglich und auf Dauer zu beenden.
Diesen
Diabetikern kann in Zukunft durch die Transplantation
von insulunproduzierenden Insellzellen
geholfen werden. Anläßlich der internationalen Konferenz
Tranplant
2000
stellte nun eine Wissenschaftlergruppe um
Dr. A.
M. Shapiro,
Universität Edmonton, Kanada, Studienergebnisse vor, die großen
Anlass zu Hoffnungen geben.
Zuerst
verwies Dr.
A. M. Shapiro
auf die Tatsache, dass die Ergebnisse der Inselzelltransplantationen
in der Vergangenheit sehr unbefriedigend waren. Nur 8.2% der behandelten
Patienten konnten ein Jahr nach dem Eingriff auf die Zufuhr von
Insulin ganz verzichten.
Doch
nun steht der Durchbruch vor der Tür. Dem Arbeitsteam um Dr.
Shapiro
gelang es mit Hilfe einer speziellen Therapie 8 Zuckerkranke nach
der Transplantation so zu stabilisieren, dass alle auch 11 Monate
nach dem Eingriff kein Insulin benötigten. Bei einem Patienten
traf dies sogar auf einen Zeitraum von 14 Monaten zu.
Die kanadischen Forscher erreichten dies nach ihrer eigenen Einschätzung
durch einen Totalverzicht
auf Kortisonpräparate
und durch den Einsatz eines sog. Anti-CD25 Antikörpers sowie durch
eine Dreier- Wirkstoffkombination die die Abstoßung der Inselzellen
verhindern soll.
Die meisten Patienten erhielten die Insulin
produzierenden Zellen von mehreren Spenderorganen in mindestens
zwei Therapieanwendungen. Einige benötigten noch mehr Transplantationen.
Seither müssen alle Patienten nach den Richtlinien der großen
internationalen Diabetes Fachgesellschaften als geheilt angesehen
werden. Keiner hatte bisher einen Rückfall.
Doch dies ist nicht die einzige gute Nachricht der
jüngsten Vergangenheit: anlässlich eines Treffens der American Diabetes Association wurde in Boston eine wissenschaftliche Studie vorgestellt, die die
Erfüllung dieses Traumes von der Heilung der Zuckerkrankheit ebenfalls
in greifbare Nähe rückt.
Eine deutsche Wissenschaftlergruppe um
Dr. Bernhard Hering
übertrug 12 Zuckerkranken an der Universität
Gießen die insulinproduzierende
Inselzellen, die aus der Bauchspeicheldrüse eines Spenders gewonnen
wurden. Jetzt gelang es dem Gießener Forscherteam erstmalig mit
Hilfe eines speziell veränderten Transplantationsprotokolls die
ansonsten früh auftretende Abstoßungsreaktion bei allen Empfängern
des Inselzelltransplantats vollständig zu unterdrücken.
Dr. Hering,
der mittlerweile am Diabetes Institute for Immunology and Transplantation
der Universität von Minnesota, Minneapolis, USA, arbeitet, erläuterte
das von ihm maßgeblich mitbestimmte Vorgehen des Gießener Teams:
die empfindlichen Spenderinselzellen wurden mit Hilfe eines Enzymgemischs
für die Transplantation vorbehandelt. Dies führte dazu, dass die
übertragenen Inselzellen
auch drei Monate nach der erfolgreich abgeschlossenen Transplantation
bei allen 12 behandelten Zuckerkranken tatsächlich Insulin produzierten. Selbst nach 12 Monaten waren noch immer 75% der Transplantate
biologisch aktiv und produzierten zumindest soviel Insulin, dass
neun Patienten deutlich weniger Insulin spritzen mussten als vor
dem operativen Eingriff.
Außerdem war die Zahl lebensbedrohlichen Unterzuckerungsanfälle
deutlich zurückgegangen. Vier Patienten (33%) mussten zu diesem
Zeitpunkt überhaupt kein Insulin mehr spritzen.
Dr. Hering
verwies in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dass bisher nach
einer Übertragung von Inselzellen aufgrund der drohenden Abstoßungsreaktion
nicht auf die Gabe von Kortison verzichtet werden konnte.
Diese Medikamente erhöhen aber gleichzeitig die Arbeitslast
der übertragenen Inselzellen und führen schnell zu einer Überlastung.
Nach wenigen Wochen stellen die Inselzellen daher die Produktion
von Insulin wieder ein.
Für die nahe Zukunft ist daher geplant – so
Dr. Hering - die Ergebnisse
der Inselzellübertragung dadurch weiter zu verbessern, dass auf
die vorbeugende Gabe von
Kortison zu Gunsten anderer Medikamente ganz verzichtet
wird. Dies ist jetzt
dem kanadischen Team um Dr. Shapiro gelungen.