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Transplant 2000

 

Typ 1 Zuckerkrankheit: Neue Therapieverfahren und innovative Medikamente wie Tacrolimus garantieren erstmalig den vollen Erfolg der Inselzelltransplantation

 von Dr. med. Jochen Kubitschek

Die Mehrzahl der meist jugendlichen Zuckerkranken (Typ-1- Diabetiker ) ist auf eine lebenslange Zufuhr von Insulin in Form täglicher Injektionen angewiesen.  Aus dieser extrem belastenden Tatsache ergibt sich zwangsläufig der Wunsch dieser Patienten , diese Abhängigkeit so schnell wie möglich und auf Dauer zu beenden.

Diesen Diabetikern kann in Zukunft durch die Transplantation von insulunproduzierenden Insellzellen geholfen werden. Anläßlich der internationalen Konferenz Tranplant 2000 stellte nun eine Wissenschaftlergruppe um Dr. A. M. Shapiro, Universität Edmonton, Kanada, Studienergebnisse vor, die großen Anlass zu Hoffnungen geben.

Zuerst verwies Dr. A. M. Shapiro auf die Tatsache, dass die Ergebnisse der Inselzelltransplantationen in der Vergangenheit sehr unbefriedigend waren. Nur 8.2% der behandelten Patienten konnten ein Jahr nach dem Eingriff auf die Zufuhr von Insulin ganz verzichten.

Doch nun steht der Durchbruch vor der Tür. Dem Arbeitsteam um 
Dr. Shapiro
gelang es mit Hilfe einer speziellen Therapie 8 Zuckerkranke nach der Transplantation so zu stabilisieren, dass alle auch 11 Monate nach dem Eingriff kein Insulin benötigten. Bei einem Patienten traf dies sogar auf einen Zeitraum von 14 Monaten zu.

Die kanadischen Forscher erreichten dies nach ihrer eigenen Einschätzung durch einen
Totalverzicht auf Kortisonpräparate und durch den Einsatz eines sog. Anti-CD25 Antikörpers sowie durch eine Dreier- Wirkstoffkombination die die Abstoßung der Inselzellen verhindern soll ( unter anderem Tacrolimus Prograf Ò von
Fujusawa ) .

Die meisten Patienten erhielten die Insulin produzierenden Zellen von mehreren Spenderorganen in mindestens zwei Therapieanwendungen. Einige benötigten noch mehr Transplantationen. Seither müssen alle Patienten nach den Richtlinien der großen internationalen Diabetes Fachgesellschaften als geheilt angesehen werden. Keiner hatte bisher einen Rückfall.

Doch dies ist nicht die einzige gute Nachricht der jüngsten Vergangenheit: anlässlich eines Treffens der American Diabetes Association wurde  in Boston eine wissenschaftliche Studie vorgestellt, die die Erfüllung dieses Traumes von der Heilung der Zuckerkrankheit ebenfalls in greifbare Nähe rückt.
Eine deutsche Wissenschaftlergruppe um  Dr. Bernhard Hering übertrug 12 Zuckerkranken an der Universität Gießen  die insulinproduzierende Inselzellen, die aus der Bauchspeicheldrüse eines Spenders gewonnen wurden. Jetzt gelang es dem Gießener Forscherteam erstmalig mit Hilfe eines speziell veränderten Transplantationsprotokolls die ansonsten früh auftretende Abstoßungsreaktion bei allen Empfängern des Inselzelltransplantats vollständig zu unterdrücken.  

Dr. Hering, der mittlerweile am Diabetes Institute for Immunology and Transplantation der Universität von Minnesota, Minneapolis, USA, arbeitet, erläuterte das von ihm maßgeblich mitbestimmte Vorgehen des Gießener Teams: die empfindlichen Spenderinselzellen wurden mit Hilfe des von Roche (früher Boehringer Mannheim)  entwickelten Enzymgemischs Liberase ™ für die Transplantation vorbehandelt. Dies führte dazu, dass die übertragenen  Inselzellen auch drei Monate nach der erfolgreich abgeschlossenen Transplantation bei allen 12 behandelten Zuckerkranken tatsächlich Insulin produzierten.  Selbst nach 12 Monaten waren noch immer 75% der Transplantate biologisch aktiv und produzierten zumindest soviel Insulin, dass neun Patienten deutlich weniger Insulin spritzen mussten als vor dem operativen Eingriff.

Außerdem war die Zahl lebensbedrohlichen Unterzuckerungsanfälle deutlich zurückgegangen. Vier Patienten (33%) mussten zu diesem Zeitpunkt überhaupt kein Insulin mehr spritzen.

Dr. Hering verwies in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dass bisher nach einer Übertragung von Inselzellen aufgrund der drohenden Abstoßungsreaktion nicht auf die Gabe von Kortison verzichtet werden konnte.  Diese Medikamente erhöhen aber gleichzeitig die Arbeitslast der übertragenen Inselzellen und führen schnell zu einer Überlastung.  Nach wenigen Wochen stellen die Inselzellen daher die Produktion von Insulin wieder ein.

Für die nahe Zukunft ist daher geplant – so Dr. Hering -  die Ergebnisse der Inselzellübertragung dadurch weiter zu verbessern, dass auf die vorbeugende Gabe von  Kortison zu Gunsten anderer Medikamente ganz verzichtet wird.  Dies ist jetzt dem kanadischen Team um Dr. Shapiro gelungen. 

Link zur Website von Fujisawa


 

 

 

 

 

 

 

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