Mai
2001
Erhöhte
Lebensqualität für Diabetiker:
Bald kann Insulin auch inhaliert werden
von
Dr. med. Jochen Kubitschek
Im
Rahmen eines in Genf veranstalteten Diabetes-Kongresses wurde
jüngst ein innovatives Inhalationsgerät vorgestellt, das den
Zuckerkranken schon bald zu deutlich mehr Lebensqualität verhelfen
wird.
Untersuchungen
haben gezeigt, dass etwa 13% des inhalierten Insulins direkt
ins Blut gehen und dort zu einem Abfall des erhöhten Blutzuckers
führen. Bisher wird Insulin bei Typ-2-Diabetikern oft zu spät
eingesetzt. Ein Grund: die Zuckerkranken fürchten sich vor der
Insulinspritze.
In der Vergangenheit war es nicht gelungen, ein taugliches Inhalationsgerät
zu entwickeln, da das blutzuckersenkende Hormon sehr tief und
gleichmäßig eingeatmet werden muss. Über die Mundschleimhaut
wird zu wenig Insulin in den Körper aufgenommen.
Dr.
Stephen Farr, Aradigm Corporation, Hayward, Kalifornien,
und seine Kollegen haben das elektronische Inhalationsgerät
AERx® insulin Diabetes Management System (AERx® iDMS)
entwickelt, das die erforderlichen Voraussetzungen für eine
erfolgreiche Anwendung bietet.
Das
Gerät hat in etwa die Größe einer Videokassette und wird mit
sog. Insulin-Strips geladen. Diese enthalten in einer Plastik-Minischale
zehn Äquivalent-Einheiten des Hormons Insulin. Der Zuckerkranke
stellt die benötigte Insulindosis am Gerät ein und inhaliert
tief und gleichmäßig. Nur bei optimaler Atemtechnik wird das
Insulin freigesetzt. Zur Kontrolle leuchtet ein grünes Lämpchen
auf, bei rot muss der Inhalationsvorgang wiederholt werden.
Die eingeatmeten Teilchen haben eine Größe von zwei bis drei
Mikrometern. Diese werden
tief ins Bronchialsystem hinein eingeatmet. Dort werden sie
über die empfindliche Schleimhaut schneller aufgenommen, als
bei subkutaner Injektion.
Auf
einer von dem Unternehmen Novo Nordisk ausgerichteten
Veranstaltung wiesen
Experten darauf hin, dass erste Pilotstudien bereits gezeigt
haben, dass das Insulin mit Hilfe des neuartigen und innovativen
Geräts präzise dosiert werden kann. Schon bald werden weitere
Studien exakte Aussagen über die Sicherheit, unerwünschte Wirkungen
und Lebensqualität der Patienten ermöglichen.